RISC OS hat in fast zwei Jahrzehnten einige Versionen hervorgebracht. Hier ein kleiner Einblick in die RISC OS Geschichte und in die Unterschiede der einzelnen Versionen.
ARTHUR
Mit der Einführung der Archimedes A300 und A400 Reihe von Acorn 1987 begann die Geschichte der RISC OS Computer. Die ersten Archimedes Rechner wurden mit dem Betriebssystem ARTHUR ausgeliefert. ARTHUR war nur eine Übergangslösung bis Acorn RISC OS fertiggestellt hatte und befand sich in zwei ROMs. Im ARTHUR ROM war neben dem Betriebssystem zusätzlich BASIC und einige Programme enthalten. ARTHUR besaß eine graphische Benutzeroberfläche, die aber nicht von allen Programmen genutzt wurde. Große Teile von ARTHUR sollen in BASIC geschrieben sein.
RISC OS 2
1989 folgte RISC OS 2 und ist die Basis aller folgenden RISC OS Versionen. RISC OS 2 bot im Gegensatz zu ARTHUR Multitasking und entspricht im Design und der Funktionalität des Desktops weitesgehend den modernen RISC OS Versionen. Durch Austausch der ROMs konnten die Archimedes Rechner der ersten Stunde mit RISC OS 2 nachgerüstet werden. Wie bei ARTHUR ist im RISC OS 2 ROM BASIC vorhanden. Weitere Programme wie z. B. Edit (Texteditor), Draw (Vektorgraphik), Paint (Graphik) und Alarm (Wecker) wurden auf Diskette mitgeliefert.
RISC OS 3
Mit dem ARM3 Rechner A5000 und RISC OS 3.0 begann 1991 die klassische Phase von RISC OS. Kurz nach Erscheinen des A5000 kam das verbesserte RISC OS 3.1. Die vier ROMs von RISC OS 3.1 konnte man mit etwas Hardware in die alten Archimedes Rechner einsetzen. In RISC OS 3 wurde RISC OS 2 an allen möglichen Stellen verbessert und erweitert. Das auffähligste war das neue "Laufwerk" Apps in dem man die ROM Programme Edit, Draw, Paint, Alarm usw. fand. RISC OS 2 war zwar ein Multitasking Betriebssystem, aber leider galt das nicht für Zugriffe auf die Festplatte. RISC OS 3 beendete diese ärgerliche Eigenschaft. Mit RISC OS 3 war es nun mögliche von Festplatte zu booten. Das heißt man konnte beim Start des Rechners ohne weiters Zutuen Programme starten und Systemvariablen setzen. Später konnte man mit RISC OS 3.19 auch ROMs mit deutschen RISC OS erwerben. Leider hatten einige Programme Probleme mit dieser deutschen Version.
RISC OS 3.5 bis RISC OS 3.7
1994 kam der Risc PC mit ARM610 CPU und RISC OS 3.5 und einige Monate später mit dem ARM710 und RISC OS 3.6 heraus. Wegen der im Vergleich zu den Archimedes Rechnern stark geänderten Hardware des Risc PC mußte Acorn RISC OS 3 anpassen. Die auffälligste Änderung in RISC OS 3.5 war der 3-D Look des Desktops, den man aber auch unter RISC OS 3.1 nachrüsten konnte. Zusätzlich konnte man nun Outline Schriften in Menüs, Dateimanager usw. benutzen und die Bildschirmauflösung und -farbtiefe konnte man statt über Screenmodes nun über direkte Auswahl einstellen. Die Bootfähigkeit von RISC OS 3 wurde zum Standard. Es wurde also beim Start des Risc PC einiges gestartet und damit einige Variablen gesetzt. Zusätzlich wurden einige spezielle Verzeichnisse (!Fonts, !Scrap, !System und Library) verschoben. Programme sollten von nun ab ihre Konfigurationen in ein zentrales Verzeichnis ablegen. Ein paar alte Programme liefen auf den Risc PC wegen der geänderten Spezialchips und Änderungen in RISC OS 3.5 bzw. 3.6 nicht mehr auf dem Risc PC. Ende 1996 kam die StrongARM Karte für den Risc PC und benötigte ein dafür angepaßtes RISC OS 3.7. Insbesonders wegen des geteilten Caches des StrongARMs liefen einige Programme nicht mehr. Aber für recht viele der betroffenden Programme gab es in kurzer Zeit Updates. Für RISC OS 3.5 bis 3.7 gibt es eine deutsche übersetzung, die man nachträglich via Software installieren kann. Leider haben auch diese Übersetzungen Probleme mit einigen Programmen.
RISC OS Teilung
Mit dem Rechner Phoebe wollte Acorn 1998 RISC OS 4 veröffentlichen. Aber Phoebe wurde gestoppt und in Folge wurde Acorn aufgelöst. Die Entwicklung von RISC OS ging auch ohne Acorn weiter. RISCOS Ltd. erwarb die Lizenz das noch unfertige RISC OS 4 weiterzuentwicklen und zu verkaufen. Die Firma Pace kaufte RISC OS und einiges mehr von Acorn für einige ihre Settopboxen und entwickelten RISC OS für sich weiter. Als Folge der unabhänigen Weiterentwicklungen von RISCOS Ltd. und Pace entstanden zwei RISC OS Zweige.
RISC OS 4
Mit ihrer Lizenz paßte RISCOS Ltd. das Phoebe Betriebssystem für den Risc PC und A7000 an und verkauften es ab 1999 als RISC OS 4 ROMs. Später gab es auch Versionen für die A7000 Klone von RiscStation und MicroDigital, dem Kinetic Risc PC und dem MicroDigital Omega. RISC OS 4 war merklich schneller als RISC OS 3.7 und erlaubte endlich lange Dateinamen und sehr viele Dateien in einen Verzeichnis. Einige wenige Programme hatten Probleme mit RISC OS 4. Für RISC OS 4 gibt es wie für 3.5 bis 3.7 eine Softwarelösung um eine deutsche Benutzeroberfläche zu erhalten. Aber im Gegensatz zu den vorherigen Übersetzungen sind die Probleme einiger Programme verschwunden. Für einige RISC OS Entwickler gilt momentan RISC OS 4 als Minimum.
RISC OS Select 1 bis 3 und RISC OS Adjust
RISCOS Ltd. entwickelte RISC OS 4 schrittweise weiter und bot es als RISC OS Select an. Zwischen 2001 und 2003 kamen drei Select Versionen heraus. RISC OS Select gibt es nur als ROM Image das von Festplatte geladen wird und ist nur für Select Abonnementen erhältlich. Mit RISC OS Adjust gibt es ROMs von Select 3, die man direkt ohne Abo erwerben kann. Um Select benutzen zu können muß im Rechner RISC OS 4 oder RISC OS Adjust vorhanden sein. Insgesamt haben die ersten drei Select Versionen einige Neuerungen und Verbesserungen gebracht. Die mitgelieferten Anwendungen können mit der globalen Zwischenablage arbeiten, mit dem ImageFileRenderer können on-the-fly Graphikformate konvertiert werden, die Schaltflächen können nun rund sein und die Netzwerkfähigkeiten wie z. B. DHCP, Anbindung an Fileserver und eine Firewall wurden hinzugefügt. Ansonsten hat RISCOS Ltd. viel unter der Haube geändert und verbessert. Auch für die ersten drei Select Versionen und Adjust gibt es eine deutsche Übersetzung.
RISC OS 5
2002 stellte Castle völlig überraschend den Rechner IYONIX pc vor, der mit einer XScale CPU betrieben wird. Dieser Computer wird mit RISC OS 5 ausgeliefert. Dieses RISC OS 5 basiert auf dem RISC OS Entwicklungszweig von Pace, den Castle inzwischen übernommen hat. RISC OS 5 läuft auf 32 Bit Rechnern und die Abhänigkeiten der alten Acorn Spezialchips wurden entfernt. Zusätzlich können sich nun Anwendungen abseits des dynamischen Speichers bis zu ein GByte, statt wie bisher 26 MByte, reservieren. Auch bei RISC OS 5 wurde die Netzwerkfähigkeit mit DHCP und Fileserveranbindung verbessert. Hinzukommt die Unterstützung von PCI Karten und USB. Ansonsten entspricht RISC OS 5 für den Anwender weitesgehend RISC OS 4. Auch für RISC OS 5 gibt es eine deutsche Übersetzung via Software. Im Jahre 2007 hat Castle zusammen mit RISC OS Open Ltd. erste Teile von RISC OS 5 als Open Source veröffentlicht. RISC OS 5 soll nach und nach vollständig im Quellkode erhältlich werden. Voraussichtlich wird 2009 der vollständige Quellkode vorliegen. Wie es aussieht wird RISC OS 5 vorwiegend über die Open Source Version weiterentwickelt. Für kommerzielle Anwendugen gibt es eine andere kostenpflichtige Lizenz.
RISC OS Adjust32
Für den A9home von Advantage Six Ltd., den es seit Mitte 2006 zu kaufen gibt, hat RISCOS Ltd. RISC OS Select 3 plus einigen Erweiterungen angepaßt und es RISC OS Adjust32 genannt. Die wesentliche Änderung zu Select 3 ist, daß Adujust32 nun ein 32 Bit RISC OS der 4er bzw. Select-Linie ist. Um mit der A9home Hardware zurechtzukommen wurden die Abhängigkeiten von der spezielen Acorn Hardware in Module ausgelagert. Damit ist auch dieser RISC OS Zweig für andere Hardware leichter anpassbar. Eine deutsche Übersetzung von Adjust32 ist auch erhältlich.
RISC OS Select 4 und 5 alias RISC OS SIX
RISCOS Ltd. hat Select 4 den Namen RISC OS SIX gegeben und Mitte 2007 freigegeben. RISC OS SIX basiert auf Adjust32 und ist damit auch auf 32 Bit Rechner lauffähig. Aber zur Zeit gibt es nur Unterstützung für StrongARM betriebene Risc PCs und den A7000(+). Vermutlich wird auch der A9home in Zukunft unterstützt. Bei RISC OS 6/Select 4 wurde neben der 26/32 Bit Neutralität und die emtfernten Abhängigkeiten von der alten Acorn Hardware vieles unter der Haube verändert. Ende 2008 wurde RISC OS 6.1 alias Select 5 fertiggestellt. Ob RISCOS Ltd., wie angekündigt, nun einige Select Features auch für den IYONIX pc unter RISC OS 5 verfügbar macht wird sich zeigen.
RISC OS Select vs. RISC OS 5
Die Entwicklungsstränge von RISC OS Select und RISC OS 5 haben schon zu Unterschieden geführt. Da aber die meisten 26/32 Bit neutralen Programme immer noch unter RISC OS 3 bzw. 4 laufen, ist dies meist noch kein akutes Problem. Ist aber z. B. bei USB mit Mehrarbeit für Programmierer verbunden. Wie es aussieht wird RISCOS Ltd. und Castle/RISC OS Open Ltd. in Zukunft keine gemeinsame Wege beschreiten und ein vollständiges RISC OS Select für den IYONIX pc ist nicht in Sicht. Wie und ob sich das Open Source RISC OS 5 durchsetzen wird, muß die Zukunft zeigen. Es gab aber schon erste Erweiterungen von IYONIX pc Benutzern. Wenn der gesammten Quellkode verfügbar ist könnte es einen Entwicklungsschub für RISC OS 5 geben. Zusätzlich sind dann Portierungen auf anderen ARM bzw. XScale betriebene Rechnern, wie z. B. PDAs, möglich. RISC OS Open Ltd. selbst plant die Linux Version des Emulators RPCEmu incl. RISC OS 5 herauszugeben.
Weitere Infos zu den unterschiedlichen RISC OS Versionen findet man bei folgenden Resourcen:
Es gibt weitere RISC OS Screenshots und weiter gehts mit Programmiersprachen unter RISC OS.